Samstag, Mai 25, 2013
   
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Der Blutbach bei Freiland (1683) - Die Abwehr der Türken im oberen Traisental

St. Pölten Stadt u. NÖ Zentral - Sagen, Mythen, Legenden, Erzählungen

Eine Erzählung aus dem Bezirk Lilienfeld

Wall und Graben wehrten den Türken den Zutritt zum Stifte Lilienfeld. Der Wald wurde gelichtet, damit sie sich nicht anschleichen konnten, und die Straßen wurden durch Verhaue unwegsam gemacht. Das größte Hindernis aber war wohl die Türkenmauer in Freiland.

Die braven Traisentaler arbeiteten viele Tage und Nächte an dieser Mauer, die allen Bewohnern bis Mariazell hinein Schutz gewähren sollte.

Es dauerte nicht lange, bis der Ruf erschall: "Die Türken kommen!" Sofort wurde ein Höhenfeuer entzündet und dieses verabredete Zeichen sollte die Türnitzer und Hehenberger zur Hilfe herbeirufen. Sie kamen auch rasch, geführt vom greisen P. Lorenz Molderer und dem Schulmeister Johann Chrysostomus Eberl, bewaffnet mit alten Stutzen, Morgensternen, Sensen, Mistgabeln und Dreschflegenl. Sie bezogen bei der Mauer ihre Stellungen.
Vor der Maurer rann ein Bächlein vom Berge herab, das das Mausbächlein genannt wird.

Schon setzten die heranstürmenden Türken über die Traisen und stürmten den ersten Bauerhnhof. Die Taverne stand bald in Flammen, aber was mit den Bewohnern des Hauses geschah, wußte nieman. Und kurze Zeit darauf standen die ersten Türken vor der Mauer und forderten die Verteidiger auf, sie abzubrechen und freien Weg zu machen.

Doch dieser Aufforderung kam niemand nach und jeder Ansturm der Türken wurde von den tapferen Bauern zurückgeworfen. Da wollten die Türken nun graben, doch die Bauern verschlossen den Durchfluß der Traisen und es entstand hinter der Mauer ein großer See, der sich weit ausdehnte, sodaß viele Bauernhäuser im Tale im Wasser standen.

Der Tod hielt in den Reihen der Türken reiche Ernte und verschonte auch so manchen Bauern nicht. Das Blut floß so stark, daß das Bächlein vom Berge her -vom Blut übervoll- aus seinen Ufern trat; damals nannten sie das Mausbächlein Blutbächlein.

Während des Kampfes stand der Priester mit hocherhobenem Kreuze dort und forderte sie mit den Worten: "Nicht nachlassen!" zum Aushalten auf.

Die letzten zwei Türken schwangen sich auf ihre Rosse und jagten davon. Die Bauern entblößten ihre Häupter und beteten für die Gefallenen, dann rissen sie einen Teil der Mauer auf und das Wasser rann noch eine Weile rot.

Auf dem Felsen aber neben der Kampfstätte wurde ein großes Holzkreuz errichtet.

Anmerkung des Autors dieser Zeilen: Jahrhunderte später wurde das oberte Traisental wieder Schauplatz heftiger Kämpfe und hier endete auch dann der Zweite Weltkrieg.

Mitgeteilt Schule Lehenrotte, Frau M. Goethe

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